Selbstverständnis der AG-Games

Computer-, Konsolen und Netzwerkspiele sind im Laufe der letzten Jahre zu einem stark beachteten, aber auch höchst umstrittenen Gegenstand nicht nur öffentlicher, sondern auch wissenschaftlicher Diskurse geworden. Bislang haben sich die Kontexte und Systeme der Reflexion über diese digitalen Spiele allerdings kaum verstetigt bzw. institutionalisiert.

Vor diesem Hintergrund ist die Gründung und Entwicklung der AG Games zu sehen, die sich zum Ziel gesetzt hat, den wissenschaftlichen Diskurs über digitale Games als game studies zu bündeln, zu systematisieren und theoretisch wie empirisch voranzubringen.

Im Rahmen der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) gegründet, hat sich die AG in wenigen Jahren zu einem relativ eigenständigen und diskursübergreifenden Zusammenschluss von Fachleuten aus verschiedenen Disziplinen entwickelt, die sich mit einem immer noch wenig geklärten Phänomen aktueller (Medien-) Kultur auseinander setzen.

Die Arbeit der AG stellt in der derzeitigen dynamischen Situation den Versuch dar, einem fluiden und unabgegrenzten Gegenstand eine wissenschaftliche und reflektorische Beschäftigung beiseite zu stellen. Dabei versucht die AG an der ›Nobilitierung‹ und Ausdifferenzierung einer wissenschaftlichen Theoriebildung zum Computerspiel und an der empirischen Erforschung relevanter Phänomene im Kontext der digitalen Spiele quer zu disziplinären Traditionen mitzuwirken.

Die gegebenen Muster akademischen, institutionellen und metadiskursiven Nachdenkens werden dabei genutzt oder – wenn es das Objekt erfordert – modifiziert. Im Zentrum der AG steht das Computerspiel als Objekt bzw. Material. Das Nachdenken darüber organisiert sich im weitesten Sinne aus den Perspektiven der ›Humanities‹, einer erweiterten kulturwissenschaftlichen Perspektive, die sich aber der Zusammenarbeit, Diskussion und Auseinandersetzung mit allen anderen disziplinären und außerakademischen Diskursen verpflichtet fühlt.


Funktion und Arbeitsweise der AG
Als die zentrale Funktion der AG Games wird die Netzwerkbildung im Interesse der Klärung theoretischer, terminologischer und empirischer Fragen im Kontext der digitalen Spiele gesehen. Die disziplinäre Abgrenzung überwindend geht es dabei um das Projekt der Entwicklung inter- bzw. transdisziplinär angelegter game studies. Die wissenschaftlichen Diskurse über Computerspiele haben sich inzwischen ausdifferenziert und sind nicht mehr so einseitig fokussiert auf Wirkungsfragen wie die öffentlichen Diskurse.

Die AG Games will dazu beitragen, den wissenschaftlichen Kenntnisstand zu konsolidieren und auszuweiten, aber auch die öffentlichen Diskurse zu versachlichen und auszudifferenzieren. Zu diesem Zweck widmet sich die AG Games folgenden Aktivitäten:

  • Herausgabe von Publikationen (als exemplarisch kann hier der im Jahre 2004 erschienene Silent-Hill-Band gelten)
  • Betreuung einer Mailing-Liste und einer offenen Webplattform (www.ag-games.de)
  • Durchführung halbjährlicher Workshops oder Fachtagungen
  • Beteiligung am öffentlichen Diskurs über Computerspiele
  • Initiierung und Realisierung von Forschungsprojekten.

 

Inhaltliche Schwerpunkte der AG Games
Die inhaltlichen Fragestellungen, die für eine Beschäftigung mit dem gemeinsamen Gegenstand der Computerspiele wichtig wären, sind bewusst breit angelegt und umfassen Schwerpunkte wie

  • Theoretische und begriffliche Annäherungen
  • Analyse, Systematisierung und Bewertungsfragen
  • Bedeutung der digitalen Spiele für die Medienlandschaft
  • Empirische und theoretische Annäherungen an Gebrauch und Nutzungsformen
  • Gesellschaftliche Diskurse und Jugendmedienschutz
  • Gestaltung, Technik und Design
  • Ökonomie und Marktrelevanz
  • Bewahrung und Aufarbeitung der Entwicklungsgeschichte

Die AG Games versteht ihre Arbeit als ein wissenschaftliches und wissenschaftspolitisches Projekt, welches folgenden Prinzipien verpflichtet ist: Dynamik: Die AG Games arbeitet an einem sich dynamisch verändernden Gegenstand und System und muss daher selbst variabel und dynamisch sein.

  • Hybridität: Die AG Games arbeitet an einem (im weitesten Sinne) ›hybriden‹ Gegenstand und System und muss ihre Erkenntnisgewinne ebenso aus einem hybriden Prozess gewinnen.
  • Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses: Die AG Games arbeitet an einem jungen und erst jüngst ›diskursfähig‹ gewordenen Gegenstand und System und definiert sich daher auch als ein Arbeitszusammenhang von und für Nachwuchswissenschaftler/innen.
  • Wissenschaftlichkeit: Die AG Games versteht sich als Zusammenschluss, der sich den im wissenschaftlichen Kontext üblichen Standards verpflichtet fühlt und eine stärkere Verankerung der game studies im Wissenschaftsbetrieb anstrebt.
  • Internationalisierung: Die AG Games sucht Anschluss an die internationale Wissenschaftslandschaft und zielt darauf, sich aktiv an den Diskursen um die digital games im skandinavischen und anglo-amerikanischen Bereich zu beteiligen.

- Textversion 20.03.2007 -