
Medienwissenschaftliche Tagung
HBK Braunschweig, 03.–05. März 2011
Konzept: Prof. Dr. Rolf Nohr, Stefan Böhme, Serjoscha Wiemer
HBK Braunschweig, Institut für Medienforschung
ACHTUNG UPDATE: Die Frist für die Einreichung ist abgelaufen
Die Datenbank – sie ist aus unserer modernen technisierten Gesellschaft nicht mehr wegzudenken, und
verändert so unterschiedliche Lebensbereiche wie die Wissensbeschaffung (Google), diverse Bereiche der
Wirtschaft von der Logistik bis zum Personalwesen (SAP), biotechnologische Forschung (National Center for
Biotechnology Information), aber auch die Partnersuche, die fiskalische Profilbildung (ELENA), unser
Freizeitverhalten (Computerspiele wie Fußballmanager) und vieles mehr. Zahlreiche Funktionsbereiche
moderner Gesellschaften sind abhängig von der Möglichkeit, große Datenbestände aufzubauen und zu nutzen.
Allgemein lässt sich die Datenbank als eine zentrale (macht- und steuerungspolitische) Instanz („Bank“)
verstehen, die Daten geordnet ablegt. In Verbindung mit unterschiedlichen Operationen wie z.B. Filtern,
Verbindungen herstellen, Rekombinieren, Exportieren, Aggregieren, Abfragen, etc. stellt die Datenbank als
mediale Praxis ‚Schnittstellen‘ für die Verschränkung von Datenverarbeitung mit unterschiedlichen kulturellen,
ökonomischen, künstlerischen, politischen oder naturwissenschaftlich-medizinischen Handlungsfeldern bereit.
Als kulturelle und informatorische Grammatik produziert die Datenbank spezifische Sichtbarkeiten und
Subjektivierungseffekte.
Nicht nur softwaregeschichtlich auch in einer Perspektive der Wissenschaftsforschung lässt sich die
Datenbank in eine Linie der Rationalisierung einordnen. In der Tradition von Tabellen, Lochkarten,
Zettelkästen oder Bibliothekssystematiken steht die Datenbank in und für die Kulmination einer Geschichte der
(An-)Ordnung, Relationierung und Auffindbarmachung.
Als zentrales Element für zeitgenössische Ordnungen und Produktionen von Wissen ist die Datenbank in ihrer
Bedeutung dabei keineswegs auf Prozesse der Datenverarbeitung im engeren Sinne beschränkt. Dies wird
beispielsweise dort anschaulich, wo Datenbanken im Spannungsfeld von Übersicht und Überwachung
Verwendung finden und unmittelbar an polizeiliche Maßnahmen angeschlossen sind, oder wenn
Samenbanken, Blutbanken oder Genbanken zu wichtigen Werkzeugen der Lebenswissenschaften werden.
Datenbanken sind auch Werkzeuge der Selbstführung und der Gouvernance.
Die Datenbank strukturiert nicht nur die in ihr verwalteten Elemente, sondern lenkt auch die Aufmerksamkeit
ihrer Nutzer, sei es durch die Datenräume, die Strukturierung der Programme oder die Präsentation der
Ergebnisse. Ist die Ordnung für die Datenbank erst einmal etabliert, kann sie zudem die Ausgangsbasis für
weitere Festlegungen und Sortierungen bilden.
Auf welche Weise verändert die Strukturierungsleistung von Datenbanken die ‚Ordnung des Wissens‘? Wie
verhalten sich die medialen Praxen und die relationale ‚Logik‘ der Datenbank zu vermeintlich
‚selbstverständlichen‘ Kategorien von Gender, Ethnizität, Alter u.a.? Welche qualitativ neuen Konzepte,
Darstellungsweisen oder Denkformen zeichnen sich vielleicht ab? Wie verändern Datenbanken unser
‚Weltverständnis‘ und unsere medialen Praxen?
Im Moment der Analyse, also der systematischen Untersuchung eines Sachverhalts hinsichtlich seiner
einzelnen Elemente, verbindet sich die Datenbank zudem mit Prozessen der Planung und der Strategie.
Zugleich enthält die Datenbank ein ‚ludisches Moment‘ und ermöglicht ein Experimentieren und ‚Spielen‘ mit
unterschiedlichen Verknüpfungen, Rekombinationen und ‚Manipulationen‘ von Datensätzen.
Trotz ihrer ubiquitären Verwendung und ihrer Kernfunktionalität für zeitgenössische Modi der Information und
der Wissensordnung ist die Datenbank in der medien- und kulturwissenschaftlichen Diskussion und
Theoriebildung bisher zumeist nur randständig behandelt worden. Das Anliegen der Tagung ist daher, die
Datenbank als zentrales Moment für eine digitale und ludische Medienkultur zu begreifen und theoretisch zu
reflektieren.
Denkbare Beiträge können sich (müssen sich aber nicht) an folgenden vier Themenblöcken entlang
gruppieren:
1. Datenbanken als Maschinen von Steuerungs- und Entscheidungshandeln
2. Datenbanken als Agenten ideologischer Ordnungen: Planung, Überblick und Kontrolle
3. Medientheoretische und genealogische Linien der Datenbank
4. Ästhetik der Datenbank (Darstellungsmodi, Visualisierungen, Datenbankspezifische ästhetische
Konzepte und Verfahren)
Entsprechend dem Fokus des Forschungsprojekts „Strategie spielen“ sind dabei ausdrücklich auch Beiträge
willkommen, die sich mit der Datenbank als einem zentralen Merkmal von Computerspielen
auseinandersetzen.
Weitere Details finden sich auf
http://www.strategiespielen.de/Tagung2011
Abstracts für einen circa 30-minütigen Vortrag sollten nicht mehr als eine Seite umfassen. Die Frist zur
Einreichung ist der 07. Januar 2011.
Einreichungen bitte an tagung@strategiespielen.de
Eine Publikation zur Tagung ist geplant.
Tagungsprogramm verfügbar:
http://ag-games.de/content/tagung-sortieren-sammeln-suchen-spielen-die...